Wer war eigentlich der Schinderhannes?
 

Die einen nennen ihn den „Robin Hood des Hunsrück“, die anderen einen brutalen Räuber. Die Wahrheit über den Schinderhannes, der eigentlich Johannes Bückler heißt, liegt wohl irgendwo dazwischen. Als Sohn eines Abdeckers – eines Schinders – kommt er im Frühling 1783 in Miehlen zur Welt. In Frankreich tobt die Revolution und französische Truppen besetzen die linke Rheinseite. Plündernde Soldaten zerstören die Existenzen vielen Landleute und heizen Franzosenhass und Kriminalität an.

Auch die Bücklers nehmen es mit der Ehrlichkeit nicht so genau. Anfang 1784 muss die Familie hastig das Dorf verlassen, weil die Mutter Brennholz und Wäsche gestohlen hat. Bald weiß auch der kleine Hannes, wie man sich auf bequeme Weise verschafft, was man will. Nach einem Schafdiebstahl wird er verhaftet, kann aber fliehen. Er schließt sich einer Bande von Räubern an, dessen Anführer ihn immer öfter bei seinen Unternehmungen einsetzt. Und der Schinderhannes zeigt sich gelehrig. Er schafft es, eine eigene Bande zu gründen. Weil er hauptsächlich die verhassten Franzosen und die ebenso verhassten jüdischen Kaufleute ausraubt, weil er keinen Mord begeht und bei Brutalität seiner Männer einschreitet, gewinnt er die einfachen Leute.

Außerdem fliegen ihm die Frauenherzen nur so zu. Doch sein Herz verliert er erst im April 1800 an Juliane Bläsius, eine arme junge Geigerin. Das „Julchen“ wird seine Komplizin, seine Räuberbraut, seine Vertraute. Und sie wird die Mutter seiner Kinder. Das erste, ein Mädchen, stirb nach wenigen Monaten. Als Julchen 1802 wieder schwanger wird, versucht der Schinderhannes, ins bürgerliche Leben zurückzukehren. Er lässt sich als „Jakob Schweikhard“ zur kaiserlichen Armee anwerben, wird aber von einem Mitrekruten erkannt und verraten. Die ganze Bande wird ausgehoben, auch Julchen eingesperrt. Im Oktober kommt ihr Sohn zur Welt. Sein Vater sieht ihn nie. Am 20. November 1803 wir der Schinderhannes mit 19 anderen zum Tode verurteilt und tags darauf guillotiniert. Sein Skelett dient heute als anatomisches Anschauungsmaterial an der Uni Heidelberg. Eine Plexiglasscheibe zeigt die Stelle, an der das Fallbeil den Hals durchtrennt hat.

 

Schinderhannes Stich

© 2014 Hotel Schinderhannes

LogoSchinderhannes-gruen-400
flagge-de

Deutsch

flagge-en

English

Banner-Neueröffnung-grau2